So kannst du Kolleg*innen nach dem Erdbeben in der Türkei und in Syrien unterstützen

15 Feb ‘23
4 min
Stress und Angst
OpenUp Redaktion
Gecontroleerd door Psychologe /-in Ida Dommerholt
Two women supporting each other

Schock, Stress, Trauer und Sorgen. Erdbeben in der Türkei und in Syrien hat bei vielen Angehörigen und Freund*innen im Ausland für traumatische Erfahrungen gesorgt – auch wenn sie nicht direkt davon betroffen waren. Klar ist: Die Arbeit steht gefühlt erst mal hintenan, denn Unterstützung ist Priorität. Es ist daher wichtig, dass du als Arbeitgeber oder Führungskraft die Auswirkungen der Geschehnisse auf die psychische Gesundheit verstehst und Kolleg*innen, die mit der aktuellen Situation zu kämpfen haben, Unterstützung anbietest.

 

In diesem Artikel gehen wir auf einige Möglichkeiten ein, wie du deine Kolleg*innen nach Naturkatastrophen unterstützen und ihnen helfen kannst, emotional und mental zurechtzukommen.

 

1. Biete proaktiv Unterstützung für Betroffene des Erdbebens an 

 

Als Führungskraft ist es wichtig, deinen Mitarbeiter*innen in Krisen- oder Stresssituationen, wie z. B. nach einem Erdbeben, proaktiv Unterstützung anzubieten. Bemühe dich, ihnen den Raum und die Aufmerksamkeit zu geben, die sie brauchen, um über ihre Situation zu sprechen. Diese Vorgehensweise kann auch dazu beitragen, ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiter*innen wertgeschätzt und anerkannt fühlen.

 

2. Erkenne ihre Gefühle an

 

Der erste Schritt bei der Unterstützung deiner Kolleg*innen besteht darin, anzuerkennen, dass jeder Mensch anders auf herausfordernde Situationen reagiert und jede Reaktion ihre Berechtigung hat. Das jüngste Erdbeben ist beispiellos, und es gibt keine normale” Art, darauf zu reagieren. Biete deinen Kolleg*innen Unterstützung an, indem du ihnen einfach zuhörst und ihnen erlaubst, über ihre Gefühle zu sprechen. Das kann ihnen helfen, ihre Gefühle zu verarbeiten und sich gehört zu fühlen. Lass sie wissen, dass du für sie da bist und dass sie sich jederzeit an dich wenden können, wenn sie reden wollen.

 

3. Sei einfühlsam und höre zu

 

Anstatt Lösungen oder Ratschläge anzubieten, solltest du versuchen, einfühlsam zu sein, Fragen zu stellen und zuzuhören. Verstehe, warum dein*e Kolleg*in sich so fühlt und was du tun kannst, um zu helfen. Einfach nur zuzuhören kann unglaublich hilfreich sein und helfen, den Stress zu lindern.

 

4. Fördere ein unterstützendes Arbeitsumfeld

 

Schaffe ein Arbeitsumfeld, das die Bedürfnisse der vom Erdbeben Betroffenen unterstützt und Verständnis für sie aufbringt. Ermutige deine Kolleg*innen, Pausen zu machen, wenn sie sie brauchen, und biete, wenn möglich, flexible Arbeitszeiten und Deadlines an.  Fördere eine offene Kommunikation und versuche, dich regelmäßig bei ihnen zu melden. Du kannst ihnen auch anbieten, ihnen bei der Arbeit zu helfen oder eine Selbsthilfegruppe für Betroffene zu organisieren. Ein bisschen Freundlichkeit und Verständnis kann viel bewirken.

 

5. Biete langfristige Unterstützung an und stelle Connections her

 

Ein Erdbeben hat Folgen, die über längere Zeit andauern können. Deshalb ist es wichtig, deine Kolleg*innen auch dann zu unterstützen, wenn sich die Situation scheinbar stabilisiert hat. Achte darauf, dass du dich auch nach dem ersten Schock weiterhin bei ihnen meldest. 

 

Wenn du merkst, dass sie mit ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen haben, kannst du sie auf Hilfsangebote aufmerksam machen. Ermutige deine Kolleg*innen, diese Angebote zu nutzen: Biete ihnen an, ihnen bei der Suche nach Psycholog*innen oder einer Selbsthilfegruppe zu helfen und informiere sie darüber, wie sie weitere Hilfe in Anspruch nehmen können. 

 

👉 Übrigens: Beratungen mit unseren Psycholog*innen sind in 22 Sprachen möglich, darunter auch in Türkisch und Arabisch. 

Zusätzlich zu diesen Schritten kannst du als Manager*in oder Führungskraft einige weitere Maßnahmen ergreifen, um deine Kolleg*innen die von dem Erdbeben betroffen sind zu unterstützen:

 

  • Ermutige deine Kolleg*innen, ihr Wohlbefinden in den Vordergrund zu stellen, bei Bedarf Pausen einzulegen und sich mit Aktivitäten zu beschäftigen, die der Entspannung und dem Stressabbau dienen.

 

  • Biete eine Auszeit an: Ziehe in Erwägung, eine bezahlte Auszeit oder eine Beurlaubung anzubieten, damit sie sich von den Folgen der Katastrophe erholen können. 

 

  • Organisiere eine Spendenaktion: Erwäge, eine Spendenaktion zu organisieren oder Spenden zu sammeln, um die Hilfsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten zu unterstützen.

 

  • Biete Schulungen an: Biete Schulungen und Informationen an, damit deine Kolleg*innen die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf die psychische Gesundheit verstehen und wissen, wie sie sich in schwierigen Zeiten gegenseitig unterstützen können.

 

 

Als Arbeitgeber*in, Führungskraft und Mensch ist es wichtig, der Situation mit Empathie und Verständnis zu begegnen und alles zu tun, um deine Kolleg*innen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. 

 

Wenn du diese Schritte unternimmst, kannst du dazu beitragen, einen unterstützenden und integrativen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem sich alle wertgeschätzt und unterstützt fühlen.

Informiere dich

Die folgenden Links sind nützliche Informationsquellen über die aktuelle Situation in der Türkei und in Syrien sowie zuverlässige lokale Initiativen, an die du spenden kannst. 

 

  • UNICEF: Unicef ist bereit, humanitäre Hilfe zu leisten: Familien ohne Dach über dem Kopf zu versorgen, Kliniken mit Medikamenten und Ausrüstung zu versorgen, sanitäre Einrichtungen wiederherzustellen und provisorische Klassenzimmer für Kinder einzurichten.

 

  • International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC): Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften ist bereits in beiden betroffenen Ländern tätig. In der Türkei wurden Teams des Türkischen Roten Halbmonds in zehn Provinzen mit Vorräten an Lebensmitteln und grundlegenden Hilfsgütern entsandt. In Syrien ist der Syrisch-Arabische Rote Halbmond vor Ort, um Such- und Rettungsaktionen zu unterstützen und erste Hilfe zu leisten.

 

  • Ärzte ohne Grenzen: Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind vor allem in Syrien im Einsatz. Die Nichtregierungsorganisation hat 23 Gesundheitseinrichtungen in den Gouvernements Idlib und Aleppo Soforthilfe geleistet, indem sie medizinische Notfallsets spendete und medizinisches Personal zur Verfügung stellte. Auch in der Türkei wird derzeit eine Bedarfsanalyse durchgeführt.